Der dornige Weg zum evangelistischen Durchbruch
Toni Nyffenegger wurde 2008 zum Pastor der Friedenskirche in Zürich berufen. Die Suche nach dem evangelistischen Durchbruch kann ein dorniger Weg sein.
online: Was müssen wir von der Friedenskirche und von dir wissen, um eure Suche nach einem evange listischen Durchbruch verstehen zu können?
Toni Nyffenegger: Dass es in der ersten Zeit nach dem Neuanfang nicht in erster Linie um einen evangelis- tischen Durchbruch ging, sondern darum, Vertrauen aufzubauen, Beziehungen zu festigen, verstehen zu lernen, wer wir überhaupt als Gemeinschaft sind, Mut zu finden.
online: Was habt ihr unternommen, um die Gute Nachricht weitergeben zu können?
Toni Nyffenegger: Wir haben von Anfang an versucht, punktuell durch Konzerte in Verbindung mit einem Brunch oder Apéro für Menschen ausserhalb der Kir- chenmauern sichtbar und hörbar zu werden. Das ist uns nur begrenzt gelungen. Es waren auch schon mehr Musiker auf der Bühne als Zuhörer im Kirchensaal ... Wir haben Workshops zu aktuellen Themen des Lebens angeboten wie «Verheiratet sein und doch glücklich» oder «Am Ende des Geldes ist noch viel Monat übrig ...» und sogar zwei Mal einen «Salsa»-Tanz-Abend. Der Film-Event «Gipfelkreuz» war ein Highlight. Insgesamt waren die Veranstaltungen aber am meisten für unseren Lernprozess gut. Das Vertrauen war ganz offensichtlich einfach noch wenig vorhanden, um (kirchenferne) Freunde einzuladen – oder wir haben noch nicht unseren überzeugenden Weg gefunden.
Eine Einsatzwoche mit jungen Leuten aus der Friedenskirche und aus anderen BewegungPlus-Gemeinden in unserer Stadt hat uns als Gruppe ermutigt, dranzubleiben.
online: An der Ministry Conference 2011 wurden wir herausgefordert, uns auf einen ganz konkreten Ort mit konkreten Menschen zu konzentrieren. Ihr seid eine Stadtgemeinde mit einem grossen Einzugsge biet: Wie funktioniert da diese «Verortung»?
Toni Nyffenegger: Wir haben in Zürich selber vielleicht zehn Leute, und die sind nicht alle am gleichen Ort. Der Perimeter von eineinhalb Kilometer ergäbe kaum ein Mitglied. Die anderen wohnen zwischen dem Rhein und dem anderen Ende des Zürichsees. Sie gehören nicht nur dazu, sondern sind geradezu tragend. Ich bin mir noch nicht sicher, wie wir uns weiter entwi- ckeln werden – aber wir werden. Wir beginnen in den nächsten Monaten mit kleinen Aktionen in und um die Friedenskirche und vertrauen darauf, dass sich vermehrt auch Menschen in unserem Umfeld mit dem Reich Gottes «verstricken». Allerdings sehe ich den Ort unserer Wirkung nicht ganz so eng.
online: Es gibt ja unterschiedlichste evangelistische Konzepte. Wie orientiert ihr euch auf der Suche nach eurem Weg zur Evangelisation?
Toni Nyffenegger: Wertschätzen, was da ist – und es ist nicht wenig: Menschen, die Gastfreundschaft üben, laden zum Mittagstisch. Es gibt einige Hot-Dog-Geräte im Keller, einen Grill im Hinterhof und Grillmeister, einen Filmbegeisterten und Leute, die bereit sind, auf die Strasse zu gehen und Räume der Stille oder der Begegnungen anzubieten. Das sind keine fertigen Konzepte, eher Fragmente, aus denen etwas werden wird.
online: Du hast in Burgdorf eine blühende mittel grosse Gemeinde zurückgelassen. Nun muss vieles wieder neu geklärt und aufgebaut werden: Du beginnst gewissermassen wieder von vorne. Wie gehst du mit dieser Situation ganz persönlich um?
Toni Nyffenegger: Zum Glück habe ich mich kaum mit wehmütigen Erinnerungen an Burgdorf herumgeschlagen (ausgenommen wenn ich einmal dort war). Ich wusste, dass ich mich ganz auf die neue Situation in Zürich einlassen will, und das habe ich auch getan. Die Herausforderung ist tatsächlich, dass wir gemeinsam die Taten herausspüren müssen, die Gott schon für uns vorbereitet hat, damit wir darin gehen. Das hat uns mehr herausgefordert, als ich es erwartet habe, und Zeit und manchmal auch Nerven (nicht nur meine) gekostet. Aber ich vertraue darauf, dass die Zeit auch für uns eine erfüllte wird und dass die Frucht bald aufgeht.
online: Was ermutigt dich persönlich, mit der Gemeinde zusammen mit kleinen Schritten nach Wegen für eure Art der Evangelisation zu suchen? Wo liegt deine Kraft und Motivationsquelle?
Toni Nyffenegger: Wenn Jesus uns gesagt hat, dass wir Licht und Salz der Gesellschaft sind (nicht sein sollten), dann gilt das auch für mich und die Friedenskirche. Das Vorbild von Jesus und die Verheissung seiner Kraft für ein wirkungsvolles Zeugnis ermutigen mich und uns, dranzubleiben.
Die Fragen stellte Meinrad Schicker, Thun
ONLINE-Ausgabe Juli-August 2012

