Auferstehung: Was? Wie? Wann?

Die Sache mit der Auferstehung und dem Leben nach dem Tod ist irgendwie nicht so einfach. Was von wem geht wann wohin und kehrt von wo wieder zurück in oder auf was? Eine Handvoll theologischer Knacknüsse für unseren Bewegungssekretär Meinrad Schicker.

 

online: Vielleicht fangen wir mal ganz vorne an: Wenn ich sterbe, dann bleibt mein Körper leblos zurück. Was dann?

M. Schicker: Die Bibel spricht zum einen von einem Totenreich (sheol/hades), wo die Toten auf den Tag der Auferstehung am Ende der Zeit warten (vgl. 1. Thessalonicher 4,16). Jesus hingegen sagt am Kreuz, dass der Sterbende neben ihm noch heute mit ihm im Paradies sein werde (Lukas 23,43). Was stimmt nun? Offensichtlich sind die biblischen Aussagen mit Blick auf das Sterben, den Himmel, die Hölle nicht immer so schlüssig und klar, wie wir es gern hätten.

 

Willst du damit sagen, dass sich gar nichts mit Gewissheit sagen lässt?

Absolut nicht. Wir Menschen – eingebunden in Zeit und Raum – wollen den Himmel verstehen. Da ist es doch nur logisch, dass wir nur menschlich über den Himmel sprechen können. Wer sich dies in aller Demut eingesteht und nicht unter dem Zwang steht, alle Bibelstellen in ein menschlich-fassbares System zu pressen, kann beginnen, jede einzelne biblische Aussage erst richtig ernst zu nehmen.

 

Wohin komme ich also nach meinem Tod?

Jesus sagt zum Verbrecher am Kreuz: «Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.» Das bedeutet doch ganz klar: Wer im Vertrauen auf Jesus als Freund und Retter stirbt, darf sich freuen, dass er/sie nach dem Tod nicht in ein dunkles Nichts fällt, sondern volles, überfliessendes Leben in der Gemeinschaft mit Jesus haben wird. Kein Mangel. Keine Gewalt. Keine Tränen. Das dürfen wir im Blick auf unser eigenes Sterben, aber auch im Blick auf das Abschiednehmen von uns lieben Menschen als bare Münze, als tröstliche Sicherheit nehmen.

 

Und was ist mit unseren Familien und Freunden? Und was ist mit Meerschweinchen Struppi?  

Wenn in Lukas 16,20 der verstorbene Lazarus von den Engeln gleich nach seinem Tod in «Abrahams Schoss» getragen wird, dann meint dies: Ich werde nicht alleine sein, sondern eingebettet in die Gemeinschaft meiner verstorbenen Vorfahren, Verwandten und Freunde. Garantiert: In Gottes neuer Welt werden wir nicht allein, sondern mit den Menschen vereint sein, die uns kostbar und teuer sind, und das grosse Hochzeitsfest gemeinsam feiern. Nicht umsonst heisst «sterben» in der biblischen Sprache «zu den Vorfahren versammelt werden». Und einem traurigen Kind könnte ich im Brustton tiefster Überzeugung sagen, dass es sein geliebtes Meerschweinchen im Himmel antreffen wird. Ganz sicher.

 

Gehst du da nicht viel zu weit? Schliesslich sagt die Bibel nichts über Meerschweinchen und fröhliche Familienfeiern im Himmel. Ist das noch seriöse Theologie – oder geht die Fantasie mit dir durch?

Alles, was uns den Himmel als einen einzigartigen Ort des Lebens und der Gemeinschaft mit Gott und Menschen lieb macht, ist im Geist der Bibel. Der Buchstabe der kleinlichen, scheinbar bibeltreuen Spitzfindigkeiten tötet unsere Vorfreude auf den Himmel; der Geist aber macht lebendig und lässt uns freudig rufen: Herr, komme bald! Wer den Himmel als ein einsames Schweben auf Wolke 45‘978 mit einer Harfe in der Hand vor Augen gemalt erhält, wählt – wie es viele Witze andeuten – wohl lieber die Hölle, wo wenigstens etwas läuft! Die Bibel aber nutzt alle irdischen Farben, Formen und Vergleiche, um uns den Himmel als einen einzigartig erstrebenswerten Ort voll Leben zu schildern. Ich stehe also immer noch zum Meerschweinchen, das im Himmel auf das traurige Kind wartet.

 

Ist der Himmel wirklich so sinnlich und körperlich? Wie ist das genau mit der Auferstehung der Seele und des Körpers?

Das mit der unsterblichen Seele, die in den Himmel aufsteigt, hat nichts mit der Bibel zu tun, sondern mit den alten Griechen. Platon ging davon aus, dass sich nach dem Tod die Seele aus dem irdischen Gefängnis, dem Körper, befreit und dann in einen rein geistigen Raum aufsteigt. Für die Bibel ist aber klar, dass Leben immer «leibhaftig», körperlich ist – ansonsten wären wir nur Gespenster. So sagt zum Beispiel Paulus, dass wir mit der Auferstehung einen neuen Körper erhalten (vgl. 2. Korinther 5,2ff).

 

Aber widerspricht Jesus nicht deiner sehr leiblich-irdischen Himmelsschilderung, wenn er sagt, dass wir «wie die Engel» sein werden (Matthäus 22,30)?

Hier ging es um eine Fangfrage der Sadduzäer, die eine Auferstehung leugneten. Sie fragten: «Mit wem wird eine siebenfache Witwe nach der Auferstehung verheiratet sein?» Jesus hielt schlicht und sachlich dagegen: Nach der Auferstehung werden eure lächerlichen Argumente so nicht mehr existieren, weil wir wie die Engel sein werden – weil wir dann Teil von Gottes Reich sind.

 

Werden wir im Himmel also nicht mehr verheiratet sein?

Wer seine Ehe als belastend erlebt hat, wird dankbar für diese Aussage von Jesus sein. Die Vorstellung, bis in alle Ewigkeit an den wenig geliebten Ehepartner gekettet sein zu müssen, könnte ja auch unerträglich sein. Wer sich aber eine glückliche Zukunft ohne seine liebsten Menschen nicht vorstellen kann, den möchte ich nochmals mit dem Bild von Abrahams Schoss und dem Sterben als ein Versammelt-werden mit den Vorfahren ermutigen: Zum erfüllten Leben gehört die Gemeinschaft – mit Gott und mit von uns geliebten Menschen.

 

Und was ist mit dem Sex?

Ja, die Engelaussage wird natürlich so gedeutet, als würde es keine Geschlechtsunterschiede und darum auch keine Sexualität mehr geben. Sollte es aber im Himmel keinen Sex geben, dann dürfen wir garantiert etwas erleben, das an erfüllendem Glück und echter Befriedigung jede sexuelle Erfahrung übersteigt. Und noch einmal: Verhindern wir bitte um Gottes Willen, dass der Himmel zu einem sterilen, langweiligen Ort gemacht wird. Im Himmel wird gelebt, gegessen und getrunken – und das ohne Gewichtsprobleme.

 

Etwas verwirrt mich beim Zuhören: Kommen wir nun in den Himmel oder sprichst du mehr von einem ewigen Leben auf der Erde?

Einige biblische Aussagen und Bilder verweisen klar auf einen jenseitigen Himmel, wo Gott wohnt, wo Jesus uns eine Wohnung bereitet und auf uns wartet (vgl. Johannes 14,2). Andrerseits spricht die Bibel ebenfalls von einer erneuerten Erde, über die wir als Könige und Priester herrschen werden (vgl. Offenbarung 5,10). Was nun? In der Offenbarung wird geschildert, wie der Himmel gewissermassen auf die Erde herabkommt, so dass sich Himmel und Erde – die Wohnung Gottes und die Wohnung der Menschen – kaum mehr unterscheiden lassen. So spielt es eigentlich keine Rolle, ob wir zu einem ewigen Leben im Himmel auferstehen oder ob wir zum Leben auf einer durch den Himmel erneuerten Erde auferweckt werden.

 

Was, wenn alles anders kommt, als wir es uns hier und heute ausmalen?

Es wird garantiert alles anders kommen! Wie ich eingangs gesagt habe: Es ist uns jetzt mit unseren menschlichen Worten und irdischen Vergleichen einfach nicht möglich, Gottes neue Welt treffend zu beschreiben. Aber all diese Aussagen der Bibel wollen uns eines vor Augen malen: Die Zukunft mit Jesus wird unsere kühnsten Vorstellungen sprengen und uns Leben in Fülle, überfliessender Fülle bringen!

 

Zum Schluss: Worauf freust du dich am meisten, wenn du an Gottes neue Welt denkst?

Eine vom Himmel erneuerte Welt ohne Gewalt und Tränen inspiriert meine Fantasie: Ich freue mich, dann all jene Reisen, auf die ich hier verzichtet habe, mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit lieben Freunden nachzuholen – und immer ist Gott dabei. Die «letzte Reise» ist ja vielleicht nur der Anfang zu neuen Entdeckungsreisen.

 

Interview: Brigitte Frei, b.frei@STOP-SPAM.bewegungplus.ch

 


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Dieser Artikel stammt aus dem online 3/16 zum Thema «Auferstehung - wie, wann, wohin?»

 

 

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