Von der Angst zur Hoffnung

Eine persönliche Reise durch den Umgang mit endzeitlichen Bibeltexten

 

Kaum hatte ich mich als Teenager mit einem nicht-christlichen Hintergrund dem christlichen Glauben zugewandt, wurde ich schon schnell mit der «Endzeit» und allen dazugehörigen Szenarien und Theorien konfrontiert. Das war in der Zeit des Kalten Krieges und der Angst vor einer atomaren Auseinandersetzung der damaligen Supermächte. Die Grauen des 2. Weltkrieges waren vielen Menschen noch ebenso gegenwärtig wie die Staatsgründung Israels und die Nahostkriege als Stellvertreterkriege der Supermächte. Diese politische Weltlage bildete einen fruchtbaren Boden für unzählige Endzeit-Spekulationen.

 

Amerikanische Schlafstörungen

Frisch verheiratet zogen wir nach Deutschland und wohnten zehn Kilometer vom amerikanischen Stützpunkt der atomaren Langstreckenraketen entfernt. In mir breitete sich immer mehr Angst aus, und ich wollte die Offenbarung gar nicht mehr lesen. Ihre schrecklichen Bilder und die so eindeutigen Auslegungen der Endzeitspezialisten machten mir Angst. Als treuer Christ las ich den Roman «Die sieben letzten Jahre»1, und dies ausgerechnet, als wir als Familie wegen meines Studiums in die USA zogen. Da waren wir dann, ohne jemanden zu kennen, da alle, die uns etwas bedeuteten, jenseits des Atlantiks lebten. Innerlich erwartete ich jeden Moment Verfolgung, Zerstörung – und irgendwann ja auch noch die Wiederkunft von Jesus. Doch die verblasste hinter den lebhaft ausgeschmückten Schreckensszenarien der damaligen Endzeittheorien. Nachts konnte ich oft nur schlecht schlafen.

 

Ein neues Verständnis

Im Verlauf meines Studiums setzte ich mich immer wieder mit der Frage auseinander, wie die ersten Leser die biblischen Texte verstanden und was sie ihnen bedeutet hatten. Bald schon realisierte ich, dass es für die Christen im ersten Jahrhundert, welche so wie wir auf das Kommen des Reiches Gottes warteten, wenig hilfreich gewesen wäre, wenn Johannes ihnen in ihrer Zeit der Verfolgung von Dingen erzählt hätte, die 2000 Jahre später passieren sollten: vom sowjetischen Antichristen (oder wer immer es gerade war), von der EU als Zehnstaatenbund und dergleichen. Erstmals begann ich diese Texte in ihrem historischen Kontext und als Antwort auf die Fragen der damaligen Christen zu lesen. Erstmals machten sie mir keine Angst mehr. Mehr noch, ich begann das ungemeine Potenzial dieser Texte zu entdecken – Bilder der Hoffnung und der Orientierung.

 

Das Reich Gottes vor Augen

Als ich mich dann während meiner Dissertation mit den jüdischen Erwartungen rund um die Herrschaft Gottes auseinandersetzte, löste die Hoffnung die Angst vollends ab: Gott liebt seine Schöpfung so sehr (das hatte ich zwar schon vorher unzählige Male in Johannes 3,16 gelesen), dass er sie nicht preisgeben, sondern befreien wird (auch das hatte ich schon unzählige Male in Römer 8,18-30 gelesen). Seither hat das «unser Vater» mit seiner Bitte «dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie bereits im Himmel, so auch hier auf Erden» einen ganz neuen Stellenwert in meinem Leben. Die Texte, die mir früher Angst machten, sind heute zu meinen treusten Begleitern geworden. Sie reden von der grossen Vision Gottes für seine Schöpfung. Sie sind Leitbild, Vision und Mission der Kirche zugleich.

 

Schon jetzt die Zukunft leben

In den letzten Jahren habe ich zudem immer mehr realisiert, dass die grosse Vision Gottes mein Leben hier und heute prägen will. Wenn es heisst, dass der Wolf und das Lamm friedlich beieinander wohnen werden, gibt mir das nicht nur Hoffnung für eine Welt, in welcher nicht mehr jeder jeden frisst, um selber zu überleben, sondern es prägt meinen Umgang mit anderen Menschen: Ich will schon heute treu gegenüber Gottes Zukunft für diese Schöpfung leben. Das sind buchstäblich visionäre Texte, die mir helfen, die Gegenwart im Licht der Zukunft Gottes zu sehen und mich nicht von falschen Hoffnungen oder Ängsten um den Verlust der (westlichen) Privilegien bestimmen zu lassen.

 

Der Kampf der Reiche

Schliesslich haben genau diese Texte dazu geführt, dass ich mich von einem Christentum als einem verinnerlichten, vergeistlichten, privaten Glauben endgültig verabschiedet habe. Gottes Vision für seine Schöpfung und sein Heil ist viel grösser als mein privates Seelenheil. Es umfasst die ganze Schöpfung. In diesem Sinn sind die Endzeittexte der Bibel auch hochpolitische Aussagen. Im Angesicht der politischen, militärischen und wirtschaftlichen Macht Roms bekannten die ersten Christen: Christus ist König. Seither hat die Anbetung Gottes für mich einen öffentlichen Charakter bekommen. Sie ist unser Bekenntnis zur Herrschaft eines gekreuzigten und auferstandenen Gottes – und damit auch unsere Absage an alle privaten, politischen und wirtschaftlichen Machtansprüche unserer menschlichen Klein- und Grossreiche. Diese Botschaft trifft mich ganz persönlich und ist doch immer grösser als mein Leben.

 

Matthias Wenk, BewegungPlus Burgdorf, m.wenk@STOP-SPAM.bewegungplus.ch


1 Ein damals populärer Roman, in dem die «grosse Trübsal» und alles Grauenhafte, das in Zukunft geschehen werde, ausführlich beschrieben wurde. Diese Theorie entstand aus einer Kombinierung von Daniel 9 und Matthäus 24,15-28.

 

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Dieser Artikel stammt aus dem online 2/16 zum Thema "Von der Angst zur Hoffnung"

 

 

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