Leseprobe Broschüre Glaubensbekenntnis

 

Der Kommentar

zum Glaubensbekenntnis

Vorbemerkung

Mit dieser ausführlichen Darstellung unserer Glaubensgrundlagen wollen wir sowohl Mitgliedern unserer Gemeinden als auch interessierten Nichtmitgliedern Auskunft über unseren Glauben geben. Im Unterschied zumkurz gefassten Glaubensbekenntnis, wo wir herausstreichen, was uns mit Christen rund um den Erdkreis verbindet und wo keine Abstriche gemachtwerden können, wollen wir im ausführlichen Kommentar auch lehrmässigeGrundlagen der «BewegungPlus» ansprechen, die uns in unserer Identitätund Farbe prägen. Da solche Lehraussagen immer auch Ausdruckunseres aktuellen Ringens um die Gestalt des Glaubens sind, können sie sich wandeln. Diese Spannung gilt es im Wissen auszuhalten, dass Gott alles trägt und übersteigt – auch die tastenden Versuche unserer zupackendenVernunft!

 

Vorstand und Pastorenschaft der «BewegungPlus»

 

 Bibel

Die Bibel ist zunächst das von Menschen geschriebene Zeugnis der Offenbarung
Gottes und seiner Geschichte mit den Menschen – und gleichzeitig
mehr als das: Gemäss ihrem Selbstzeugnis ist sie Gottes eigenes Wort1,
eingegeben durch den Heiligen Geist, zuverlässig und in den wesentlichen
Fragen klar.
Die vielfältigen Schriften der Bibel haben ihre Mitte und ihr Ziel in Jesus
Christus, der den grundlegenden Inhalt der biblischen Botschaft darstellt4.
Die Bibel umfasst die Bücher des Alten und Neuen Testaments ohne
Spätschriften (Apokryphen).


Autorität der Bibel
Die Bibel bildet die unverzichtbare Autorität in allen Belangen des Lebens
und des Glaubens, sie ist Quelle von Freude und Trost, gibt Wegleitung
damals und heute. Die Begegnung mit der Bibel ist vitaler Bestandteil des
Lebens als Christ und als Gemeinde.
Die Bibel hat ihren Sinn nicht in sich selbst, sondern ist Trägerin der Offenbarung
Gottes an uns. Wir verehren kein Buch, sondern den lebendigen
Gott. Wir vertrauen Gott, der durch die Bibel zu uns spricht und uns durch
den Heiligen Geist das Verständnis öffnet.
Umgang mit der Bibel
Die Autoren der Bibel wurden vom Heiligen Geist gebraucht in voller Achtung
ihrer Persönlichkeit und ihres kulturellen und historischen Umfelds.
Die biblischen Schriften richteten sich an eine bestimmte Leserschaft einer
bestimmten Zeit. Die Bibel bedarf deshalb der Auslegung und Anwendung,
die diese Faktoren berücksichtigen. Gleichzeitig wissen wir um die
Bedeutung und Berechtigung eines schlichten Hörens auf die Schrift, die
sich uns persönlich aufschliesst.

 

 


Ausländer unter uns

Etwa 22% der Menschen, welche in der Schweiz leben, sind Ausländer. Dies
führt dazu, dass sich bei vielen Schweizerinnen und Schweizern Angst vor
einem Identitätsverlust infolge einer Überfremdung breitmacht, weil sie
sich in ihrer Heimat1 in die Defensive gedrängt fühlen. Dazu kommt, dass
sich das Miteinander der verschiedenen Kulturen und Religionen im Alltag
(Schule, Arbeit, Politik etc.) nicht immer einfach gestaltet: Unterschiedliche
Werte, Verhaltensweisen und Vorstellungen prallen aufeinander, und
zunehmend prägt auch Gewalt diese Auseinandersetzung. Im Blick auf
eine Ausländerpolitik und die Frage nach der Integration werden von
öffentlicher Seite her ganz unterschiedliche Positionen vertreten. Zudem
ist die öffentliche Diskussion immer wieder von unterschwelligen Ängsten
oder gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Als christliche Kirche sind wir
ebenfalls gefordert, Stellung zu diesen Problemen zu nehmen. Dies
können und wollen wir jedoch nicht primär von einer politischen
Perspektive aus, denn auch in dieser Frage gilt für uns die Maxime:
«Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann
wird euch alles andere zuteilwerden.» Anders formuliert: Während wir als
evangelische Freikirche eine Tradition haben, uns bei ethisch/moralischen
Themen (z.B. Abtreibung, Drogen, Sexualethik, etc.) im Licht unserer
biblisch-theologischen Überzeugungen zu positionieren, fehlt uns diese
zum Thema Umgang mit den Fremden noch weitgehend. Die Diskussion
rund um die Ausländer wird innerhalb unserer Kirchen noch vorrangig als
politische und nicht als christlich-ethische geführt. Doch als Gemeinde gilt
unsere Loyalität auch in dieser Frage zuerst dem Reich Gottes und erst in
zweiter Linie dem Staat:2 Die Ausbreitung des Evangeliums ist uns
wichtiger als die Sicherung unseres Wohlstandes.
Die nachfolgenden Ausführungen sollen helfen, anhand der Bibel eine
Orientierung im Zusammenleben von «Einheimischen» und «Fremden» zu
geben, die dazu beiträgt, dass das Reich Gottes durch unsere Gemeinden
sichtbar wird. Auch wenn die folgenden Anregungen nicht alle unsere
Alltagsprobleme lösen werden, zeigen sie die Konturen des kommenden
Reiches Gottes auf, um welches wir beten: «Dein Reich komme, dein Wille
geschehe.»


Sexualität

Sexualität als Segen
In der zwe iten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat eine bedeutende gesellschaftliche
Veränderung der Sexualmoral stattgefunden.1 Die Zusammengehörigkeit
von Sexualität und Ehe wurde infrage gestellt. Mittlerweile
werden Ehe und Sexualität von einem grossen Teil unserer Gesellschaft als
zwei verschiedene Lebensbereiche betrachtet, welche nur bedingt miteinander
zu tun haben.2 Die Forderung der Einbettung der Sexualität in die
Ehe wird als Ausdruck einer veralteten, rigiden und lustfeindlichen Sexualmoral
empfunden. Das Konkubinat wird geschätzt und praktiziert. Mehr
noch, Monogamie als solche wird zunehmend als der menschlichen Sexualität
unangemessen betrachtet. Entsprechend werden auch Pornografi e,
Prostitution und Seitensprünge als unumgängliche Lebensäusserungen
hingenommen, selbst wenn sie betroffene Beziehungen meist stark belasten.
Alle möglichen Formen von Sexualität werden toleriert – sofern die
Autonomie der Beteiligten gewährleistet ist und keine Übergriffe stattfi nden.
Diese Entwicklungen gewinnen auch Einfl uss unter freikirchlich geprägten
Christen. Zwar sind sexuelle Praktiken ausserhalb einer Liebesbeziehung
nach wie vor tabu. Aber «vorehelicher Sex» wird immer mehr als legitim
betrachtet, da ja die Absicht einer späteren Ehe besteht. Auch das Konkubinat
wird zunehmend als mögliche Alternative zur Ehe gesehen und gelebt.
In der Broschüre «Wertvoll» der BewegungPlus ist dazu Folgendes festgehalten:
«Das Geschenk der Sexualität entfaltet sich erst im Schutz einer auf
lebenslange Treue angelegten Beziehung. Einzig mit der Ehe wird heute
rechtlich verbindlich ein Bund mit Perspektive fürs ganze Leben geschlossen.
» Diese Sicht soll mit den nachfolgenden Gedanken erläutert und begründet
werden. Im ersten Hauptteil «Sexualität als Segen» werden einige
grundsätzliche Gedanken zu Sexualität und Ehe festgehalten. Im zweiten
Hauptteil «Sexualität als Herausforderung» werden einige spezifi sche Problemfelder
und Lösungsansätze erörtert.


Geld und Besitz

Geld − wir alle benutzen es praktisch täglich. Davon zu besitzen ist beruhigend.

Sein Potenzial, Menschen in Besitz nehmen zu können, sollte uns
jedoch eher beunruhigen. Welche Macht ist im Geld verborgen, und wie
können Christen auf eine gute Art mit Geld und Besitz umgehen?
Geld soll uns nicht beherrschen, sondern zu einem solidarischen und gerechten
Leben eingesetzt werden. Die vorliegende Broschüre will einen
etwas tieferen Einblick in das Thema «Geld und Besitz» geben. Den Einstieg
machen einige Fakten rund um Geld und Besitz in der Schweiz. Im
zweiten Teil werden die grossen Linien der Bibel zum Thema Geld und Besitz
skizziert. Hier fi nden wir Orientierungshilfe zu einem gottgefälligen
Leben. Der dritte Teil gibt dann, abgeleitet von den theologischen Aussagen,
praktische Antworten auf aktuelle Fragen rund um unseren Umgang
mit Geld und Besitz.

 

Einige Fakten rund um Geld

und Besitz

Bin ich reich oder arm? Wenn ich vier der nachfolgenden fünf Fragen mit
Ja beantworten kann, dann gehöre ich zu den reichsten 15% der Erdbevölkerung.
• Habe ich jeden Tag genug zu essen?
• Besitze ich anständige Kleider?
• Habe ich ein Dach über dem Kopf?
• Wohne ich in einem Land mit funktionierendem Gesundheitssystem?
• Habe ich Zugang zu verlässlichen Transportmitteln?
Umgang mit Geld in der Schweiz
Die meisten Menschen in unserem Land haben genügend Geld, um ihren
Lebensunterhalt bestreiten und relativ sorglos leben zu können. Eine der
positiven Auswirkungen davon ist, dass wir Schweizer im weltweiten Vergleich
eine Spitzenposition in Sachen Spendenfreudigkeit einnehmen. In
den letzten Jahren betrugen die Spenden der Privaten für karitative Organisationen
ca. 1,3 Mrd. Franken. Das ergibt pro Kopf einen Betrag von fast
170 Franken. Zusammen mit den Spenden der Unternehmen ergibt sich
jährlich eine Summe von annähernd 3 Mrd. Franken.

 


Scheidung und Wiederheirat

Die Ehe ist heute wie früher Ausdruck der Sehnsucht nach Glück und Geborgenheit
in einer sicheren Beziehung. Wer ein Hochzeitspaar nach seinen
Zukunftserwartungen fragt, hört in der Regel Aussagen der Hoffnung
auf eine lebenslange, glückliche Ehe – obwohl die Fakten und Zahlen eine
andere Sprache sprechen: Beinahe jede zweite Ehe wird geschieden; die
Zahl der Scheidungen von Wiederverheirateten1 ist noch höher. Der Hafen
der Ehe ist alles andere als sicher.
Waren Scheidungen in der Vergangenheit in freikirchlichen Kreisen eher
eine Seltenheit, so müssen sich christliche Gemeinden vermehrt mit der
Frage auseinandersetzen, wie sie zur Scheidung und zur Wiederheirat von
Geschiedenen stehen.
Stellungnahme der BewegungPlus
Natürlich werden die Fragen rund um Scheidung und Wiederheirat auch
heute sehr unterschiedlich beantwortet – nicht zuletzt in christlichen Kirchen
und Bewegungen. Die BewegungPlus hat mit dieser Broschüre eine
Stellungnahme erarbeitet: Die Gemeinden der BewegungPlus lassen Geschiedene
nicht alleine, sondern begleiten sie sowohl auf dem Weg der
Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, als auch auf dem Weg zu einer neuen
Ehe.
Als Bewegung, die sich zur Autorität der Bibel für alle Fragen des Glaubens
und Lebens bekennt, müssen wir unsere Praxis auch biblisch verantworten
können. Anschliessend wenden wir uns seelsorgerlichen Fragen zu.

 

Die Bibel zum Thema

Es liegt nicht nur am Unvermögen der Bibelausleger, dass sich in der Frage
nach Scheidung und Wiederheirat die unterschiedlichsten Standpunkte
fi nden lassen: Die Bibel selbst macht es uns alles andere als einfach. Wer
die Bibel ernst nimmt, hat folgendes Problem: Im Alten Testament wird die
Scheidung und Wiederheirat erlaubt und geregelt, während im Neuen Testament
auf den ersten Blick die Scheidung und vor allem die Wiederheirat
praktisch abgelehnt wird.

Das Ziel der Ehe

Gut, dass der ursprüngliche Wille Gottes klar ist: Er selbst legte die Sehnsucht
nach dem «Du» in den Menschen und stiftete die Ehe. Das Zusammenwachsen
der Eheleute wird in der Bibel auch als Ein-Fleisch-Werden1
bezeichnet: Aus Ich und Du wird jetzt auch ein Wir. Die Bibel geht von der
Einehe als Form des Zusammenlebens von Mann und Frau aus, auch wenn
lange Zeit die Vielehe (Polygamie) gang und gäbe war. Dieser von Gott und
seinen Geboten geschützte Bund der Ehe ist für ein ganzes Leben gedacht:
Geborgenheit und beglückende Intimität, aber oft auch wirtschaftliche Sicherheit
können sich erst in einer auf lebenslange Treue angelegten Beziehung
entwickeln. Die Unaufl öslichkeit der Ehe ist gewissermassen als biblische
Grundordnung zu verstehen.
Wenn die Ehe am Ende ist
Ehen werden in der biblischen Tradition durch einen gesellschaftlich anerkannten
Akt geschlossen, der je nach Kultur sehr unterschiedlich sein
kann. Und hier auf Erden wird jede Ehe auch enden.2 Die Bibel schildert uns
zwei Möglichkeiten, wie Ehen zum Abschluss kommen:
• Die Ehe kann durch das Ausstellen eines Scheidebriefes vorzeitig zum
Abschluss kommen.
• In letzter Konsequenz löst der Tod des einen Partners jede Ehe auf.
Sowohl der Tod wie auch die Scheidung entsprechen nicht dem ursprünglichen
Willen Gottes. Sie beide sind Ausdruck dafür, dass wir nicht mehr im
Paradies leben: So wie Scheidung Sünde ist und Gott Scheidung hasst3, so
ist auch der Tod letztlich Ausdruck einer der Sünde verfallenen Schöpfung.

 


Die Taufe

Wer das Neue Testament liest, begegnet der Taufe auf Schritt und Tritt. So lässt sich Jesus taufen und gibt seinen Nachfolgern zusammen mit dem Auftrag zur Verbreitung der guten Nachricht auch die Anweisung zur Taufe. Doch innerhalb des Neuen Testaments haben die einzelnen Bibelstellen zur Taufe leicht unterschiedliche Schwerpunkte. Während bei Johannes dem Täufer die Reinwa- schung von den Sünden im Vordergrund steht, verbindet Paulus mit der Taufe eher den Gedanken, dass Christen dadurch Anteil am Sterben und Auferstehen von Christus haben. In beiden Fällen steht die Taufe in engem Zusammenhang mit dem neuen Leben der Christen und deren Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Gläubigen. Die Taufe ist damit Ausdruck des Bundes Gottes mit den Menschen, den man aber nur zusammen mit allen anderen Menschen haben kann, die ebenfalls zum Volk Gottes gehören.

 

Die Taufe als Zeichenhandlung

Weil Rituale vielfach als rein äusserliche und daher als eher nebensächliche
Handlungen betrachtet werden, kann gefragt werden, ob der Begriff
«Ritual» im Blick auf die Taufe sinnvoll ist. Anstelle von «Ritual» bevorzugt
die BewegungPlus den Begriff der «Zeichenhandlung».
Zeichenhandlungen machen die Beziehung zwischen Gott und den Menschen
erlebbar. Sie lassen uns unmittelbar an der Heilsgeschichte Gottes
teilhaben, so dass die Beteiligten nicht nur Zuschauer oder Zuhörer eines
Geschehens sind. Zeichenhandlungen machen Gottes Verheissungen und
Warnungen leibhaftig erfahrbar. Was in der Zeichenhandlung ausgedrückt
wird, wird mit mehr als nur dem Hörsinn wahrgenommen. Dadurch verinnerlicht
sie die in ihr ausgedrückten Überzeugungen und Werte besser im
Leben der Beteiligten, als reine Wort-Ereignisse das können. Das heisst: In
Zeichenhandlungen, und ganz besonders in religiösen, werden nicht nur
innere Überzeugungen äusserlich ausgedrückt, sondern durch sie werden
diese Werte und Überzeugungen verinnerlicht und im Menschen gefestigt.
Das gilt auch für die Taufe.


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