Find a church
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The little girl’s face through the shop window.
27 Apr 2021

Christsein im Schaufenster?

Schaufenster haben etwas Magisches.

Ich kann mich gut erinnern, wie ich als kleiner Junge in der Adventszeit beim Loeb-Egge meine Nase gegen die Scheibe drückte und völlig fasziniert war von der Märchenwelt, die sich vor mir ausbreitete, von der perfekten Scheinwelt aus lauter Sachen, die ich gerne gehabt hätte, mir aber nicht leisten konnte.

Der Gedanke der Kirche als Schaufenster löst in mir Druck aus: Können wir dem Anspruch auf Perfektion gerecht werden, den wir an uns haben müssten? Was wird überhaupt ausgestellt und wer orchestriert das Ganze? Erinnerungen an die Zeit werden wach, als ich lieber nicht über meinen Glauben sprechen wollte, weil ich ohnehin genau wusste, dass ich zu wenig «heilig» lebte und deswegen fürchtete, als frömmlerischer Versager dazustehen. All die grossen Augen und platt gedrückten Nasen da draussen machen mir Angst. Ist es wirklich das, was Gott will?

Nein, auf keinen Fall!, finde ich. Ein Gedanke steigt in mir auf: Wir stehen als Kirche nicht im Schaufenster, wir sind eins. Nicht unsere blitzblanken Auslagen sind es, nicht die gestylten Äusserlichkeiten, nicht die sensationellen Grosstaten, die die Menschen von uns erwarten, sondern unsere Echtheit. Gott baut sein Reich nicht mit Schaufensterpuppen, sondern mit Menschen wie du und ich, aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen, Kanten und Ecken. Er hat uns Menschen sein Wesen durch die ganze Geschichte hindurch immer in den nicht-idealen Umständen offenbart. Sein Schaufenster war nie von Glitzerkram geprägt, sondern von Liebe unter Brüdern und Schwestern, von Licht, das nicht unter den Scheffel gestellt wird, und von ausweglosen Situationen, in die er Hoffnung brachte. Die Kirche ist keine Ausstellung, in der wir Christen an der richtigen Stelle einen guten Eindruck hinterlassen sollen. Sie ist der Ort, an dem wir leben, lieben und wachsen lernen können. Und dort, wo wir versagen, ist er mit seiner überfliessenden Gnade da, sein Reich erst recht sichtbar zu machen. Ja, davon möchte ich Teil sein!

Übrigens: Schaufenster sollen nicht nur faszinieren, sondern auch zum Eintreten einladen. Meist nahmen meine Eltern ihren kleinen Jungen nach ein paar Minuten an der Hand und wir mischten uns wieder unter die vielen rastlosen Leute in den Lauben Berns.