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6_Gottesdienste4
01 Dez 2020

«Liebes Gottesdienst-Tagebuch …»

Meine drei schlechtesten Gottesdienste, die mir aber ganz gutgetan haben.

Sonntag, 17. Juni 2012: Nur 8 Gottesdienstteilnehmer

Als Equippers-Gemeindegründung treffen wir uns nun seit fünf Monaten zu öffentlichen Gottesdiensten. An diesem Sonntagabend tauchen nur gerade mal acht Leute auf. Meine Predigt wäre es eigentlich wert, von mindestens 20 Leuten gehört zu werden – der Frust ist mir während der Verkündigung anzumerken. Beim Aufruf spricht dann der Heilige Geist deutlich zu mir (klar tat er dies, schliesslich war sonst kaum jemand da, den er ansprechen konnte): «Dän, es gibt keine Wegwerf-Gottesdienste!» Die acht Anwesenden sollten den schlechtesten Gottesdienst meiner bisherigen Pastoren-Karriere mit dem Gefühl verlassen, dass es sich doch gelohnt hat, in die Kirche zu kommen. Also greife ich zu «Hände Auflegen und Prophezeien». Die treuen Seelen, die an diesem herrlichen Sommerabend nicht im Zürichsee baden gingen, erleben im stickigen Keller der Friedenskirche eine Extraportion Wertschätzung: Einerseits von ihrem frustrierten Pastor, aber vor allem vom Himmlischen Vater, der auch bei halbpatzigen Gottesdiensten mit dem vollen Programm seiner unverdienten Güte auffährt.

Und die Moral von der Geschicht’: Diene denjenigen die da sind – die Abwesenden zählen nicht!

So, 2. März 2014: Von der eigenen Gemeinde im Stich gelassen

Am Tag zuvor: Als kleine Kirche stemmen wir einen «Worship Day». Die Bude ist voll. Zwei Drittel unserer damals rund 50-Seelen grossen Gemeinde helfen engagiert mit. Peter Prothero ist Gastredner. Fazit vom Samstag: Es ist das unbestrittene Highlight unseres noch so jungen Gemeindelebens als Equippers Friedenskirche. Am nächsten Tag der absolute Tiefpunkt: Im Gottesdienst bleiben die Reihen leer. Viele der Mitarbeiter, die sich am Tag zuvor voll ins Zeugs legten, entschieden sich, einfach so zu Hause auszuschlafen – inklusive Techniker. Peter predigt ins Leere. Mein Praktikant und ich schauen verzweifelt, dass wenigstens sein Mikrofon funktioniert. Ich bin auf 180 und fühle mich von meiner eigenen Gemeinde verarscht. Der fiese Peter meint dann beim Mittagessen mit einem lachenden Auge, dass ich die Gemeinde so erzogen hätte. Es sei offensichtlich, dass mein Herz mehr in aufregenden Events sei, statt im hundskommunen Gemeindebau. Das Verhalten der Gemeinde reflektiere einfach meine Prioritäten – autsch!

Und die Moral von der Geschicht’: Gemeindebau ist «einfach» – gib dem Banalen mehr Gewicht!

So, 14. Mai 2017: Ein Sonntag zum Vergessen

Dieses Jahr soll der Muttertag etwas anders werden, und deshalb predigt heute überraschenderweise die Frau des Pastors. Nach rund 30 Minuten kommt Oana zum Abschluss. Soweit so gut. Aber jetzt ruft sie drei Paare beim Namen auf und bittet diese, nach vorne zu kommen. Die Atmosphäre ist angespannt – so etwas machen wir normalerweise nicht im Gottesdienst. Oana prophezeit über diesen Leuten vor der ganzen Gemeinde. Ich versinke im Boden, weil ein Ehepaar kinderlos ist und mit dem Feiern des Muttertags verständlicherweise Mühe hat. Zuhause gebe ich dann Oana lautstark zu spüren, dass diese Aktion total daneben war. Nach dem Streit hake ich den Tag als einen Sonntag zum Vergessen ab. Ein paar Wochen später stellt sich heraus, dass es ebenfalls für das kinderlose Ehepaar «ein Sonntag zum Vergessen» war; und zwar konnten sie an dem Tag vor Gott ihren inneren Schmerz loslassen.

Und die Moral von der Geschicht’: Freue dich – der Gottesdienst ist ein Ort, wo der Himmel auf die Erde trifft!