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13-MPcut
15 Sep 2021

Von Haute Couture, Ohrenstöpseln und Wundern

Mit 55 beginnt eine neue Saison bei uns – wir pendeln zwischen Afrika und der Schweiz.

Zehn Mal verbringen wir sechs Monate in Afrika. Eine Zeit mit Höhen und Tiefen. Um es vorwegzunehmen: Die Wechsel haben uns psychische und körperliche Kraft gekostet. Die Armut hat uns zeitweise überfordert und die Hitze zugesetzt.

Wir finden es gewöhnungsbedürftig, dass fast jeder nähere Kontakt in eine Anfrage um finanzielle Unterstützung mündet. Das Buch, «Africa friends and money matters», ist ein Augenöffner: Afrikaner trennen Geld und Freundschaft nicht voneinander, wie wir im Westen. Wir tun uns schwer mit dem «Siezen», dem Hervorheben der Titel, den Hierarchien und dem Begrüssen der wichtigsten Person zuerst – wer ist das doch gleich? Auf dem Kirchenareal, wo wir wohnen, versuchen wir uns den Kopf klar zu halten zwischen endlosen Band- und Chorproben, Imam–Rufen von benachbarten Moscheen und den Beats aus dem Mode Shop von nebenan. Aufs Ohr angepasste Ohrenstöpsel bieten Überlebenshilfe. Die Gottesdienste sind uns oft zu lang (bis zu vier Stunden) und der Missionar, der vorne auf der Plattform sitzen darf-muss, sollte keine grimmige Miene machen. Und dann die vielen Traditionen, die sich im Gemeindeleben angesammelt haben. Eine gröbere Geduldsprobe für einen «Veränderer» wie Werner. Regina beisst sich die Zähne aus an der afrikanischen Mode. Diese hautengen Modelle im Seejungfrau-Stil! Und doch will sie sich kleiden wie die Einheimischen. Nach einigen Enttäuschungen beim Atelier „tempo couture“ versucht sie es bei „haute couture“. Sie bringt den ausgewählten Stoff, lässt sich die Masse nehmen und beschwört den Maestro, dass sie es luftig und locker liebt. Resultat nach einer Woche: Sie fühlt sich wie eine eingepackte Wurst, der bald die Nähte platzen.

So verschieden und doch so ähnlich
Wir geniessen die Farben, die fröhlichen und freundlichen Menschen und die vielen Kinder und Jugendlichen. Durch unsere Reisen kommen wir dem afrikanischen Leben nahe. Wir staunen über das gemeinschaftliche Leben, entdecken das doppelte Händeschütteln und die Bedeutung von Vermittlern. Wir wagen uns an zwei afrikanische Sprachen und hören, dass «gross» und «alt» fast gleich tönt.

Afrika gibt uns die Möglichkeit, als Ehepaar zu wirken. Wir unterrichten an Bibelschulen und gestalten auf den Wunsch der Pastoren Eheseminare. Wir schlafen im Zelt neben Perlhühnern und Geissen. Die «Kübelidusche» bei Sonnenuntergang und das Nachtessen unter dem Sternenhimmel sind unvergesslich.

Einzelne Afrikaner kommen uns nahe. Wir entdecken, dass unsere Kulturen zwar sehr verschieden, aber unsere tiefsten Bedürfnisse nach Liebe und Anerkennung ganz ähnlich sind. Esaie begleitet uns immer wieder in ein Dorf von muslimischen Nomaden und erlebt, wie erste Menschen Jesus annehmen. Ein Pastor erzählt Werner von seinem Burnout. Elisabeth teilt ihren Schmerz, dass sie ihre ersten zehn Predigten den Mauern in ihrem Hof hält, weil sie als Frau in der Gemeinde nicht predigen darf. Nach einem Training in Äthiopien kann sie viele ihrer muslimischen Nachbarinnen zu Jesus führen. Jetzt hat sie eine Gemeinde von weit über hundert Menschen in ihrem Hof. Der innovative Kao öffnet uns die Türen zu seiner dynamischen Kirchenbewegung in Togo und Toulou lädt uns ein, zwei Jahre vor unserer Pensionierung, nach Senegal zu ziehen. Dort geniessen wir das kollegiale Miteinander mit den Leitern und erleben, wie eine junge Crew die Kirchenbewegung in eine neue Dynamik führt.

Was sollen wir noch schreiben?
Vom Stausee, der durch ein Gebet von Wasserpflanzen befreit wird und so weiterhin vielen Gemüseanbauern eine Existenz gibt? Vom Selbstmordkandidaten, den Gott in ein Buschkirchlein ruft und der dort neue Hoffnung findet? Oder vom Flugzeug, das auf der Startpiste um die Kurve gestossen werden muss und uns eine Viertelstunde später in die Lüfte hebt?

Wer solche und andere Geschichten aus Westafrika, der Schweiz und Peru lesen möchte, dem sei unser Buch empfohlen, das irgendwann erscheinen sollte ☺.

Ihr seid ein Teil davon, ihr habt uns die letzten 40 Jahre auf unglaubliche Art mit euren Finanzen und Gebeten unterstützt. Wir danken Euch zutiefst.