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04 Feb 2021

Der Alltag als Klassenzimmer von Jesus

«Jüngerschaft» – eine im Alltag selten gebrauchte Formulierung, die insbesondere von kirchenfernen Menschen kaum verstanden wird.

Dabei ginge es doch genau um unseren Lebensalltag. Nachfolger zu sein, findet nicht in künstlich-frommen Räumen statt, sondern mitten im Leben. Die Schulstube der Jünger von Jesus war und wäre auch heute noch das alltägliche Leben.  Wenn nun Jesus gekommen ist, um uns Leben in überfliessender Fülle zu bringen – dann müssten sich seine Schüler und darum auch unsere Lokalkirchen durch eine alltagstaugliche Lebenskompetenz auszeichnen. Im Kern geht es um drei Themen, die sich durch unser ganzes Leben ziehen.

Liebe

Junge Menschen erleben ihre erste Liebe – und entdecken irgendwann ernüchtert, dass sie nicht wirklich nur das «Du» suchen. In jeder freundschaftlichen Beziehung kommt der Moment der Enttäuschung: Wir bleiben einander vieles schuldig. Wir versprechen einander regelmässig mehr, als wir halten können. Andere erleben, dass sie sich gar nicht wirklich mit ihren innersten Bedürfnissen öffnen und mitteilen können. Tiefsitzende Ängste, unverarbeitete Verletzungen und Enttäuschungen können uns blockieren: Bin ich überhaupt beziehungs- oder liebesfähig?

Christsein beginnt mit dem Staunen über die überwältigende, selbstlose Liebe, die sich uns in Jesus offenbart und mit der er uns gefunden hat. Und als Geliebte lieben wir Gott und Menschen – mit all unseren Beschränkungen. Darum gehört zur Liebe die tagtägliche Vergebung, die uns von zu hohen Erwartungen – an uns und andere – und den daraus entstehenden Enttäuschungen und Verletzungen befreit. So können wir lieben, ohne uns zu überfordern.

Identität

Junge Erwachsene lösen sich von zuhause ab und wollen zu sich selbst finden. Und wenn junge Mütter von ihren Kindern beinahe wortwörtlich ausgesaugt werden, fragen nicht wenige: Wo bleibe ich mit meinen Bedürfnissen? Wenn eine Beziehung auseinanderbricht oder der Partnerwunsch unerfüllt bleibt, stellt das Leben die Frage: Wer bin ich ohne Partner? Arbeitslosigkeit oder spätestens die Pensionierung fragen uns: Wer bin ich ohne meinen Beruf? Und wer bin ich, wenn ich am Ende zum Pflegefall werde und meine Autonomie verliere?

Jesus will uns zu einer Identität verhelfen, die nicht abhängig ist von unserer Leistungsfähigkeit, unserem Zivilstand oder irgendwelchen Erfolgen. Das ganze Leben eines Jüngers ist im tiefsten eine Reise in die Arme des Vaters, wo wir uns als geliebte Söhne und Töchter Gottes erkennen. In diesen Armen wird die Frage unserer Identität geklärt – bis wir hoffentlich geborgen heimgehen. Geborgen, weil wir nichts mitbringen können als uns selbst als geliebte Söhne und Töchter. Und das genügt.

Leiden

Unsere westliche Gesellschaft hat die Vermeidung von Leiden zu einem der höchsten Werte erhoben. Weil heute beinahe alles machbar und oft auch bezahlbar ist, soll niemand mehr warten oder Bedürfnisspannungen aushalten müssen. Doch die ernüchternde Wahrheit ist: Leiden gehört zum Leben. Wer chronisch vor dem Leiden flieht, wird nie das Geheimnis der Liebe und eines erfüllten Lebens entdecken. Dummerweise braucht es offensichtlich die läuternde Hitze des Leidens, damit die Bruchstücke unseres Lebens ihr Gold freigeben.

Christen haben verstanden, dass aus den Wunden des Gekreuzigten das Heil für die ganze Welt geflossen ist. Der Skandal des Kreuzes macht es möglich, dass auch wir heute in unserem und in fremdem Leid hoffnungsvoll Ausschau nach Gottes Heil halten dürfen.

Dies alles zu entdecken und mit anderen gemeinsam einzuüben – das macht einen Christen und uns als Kirche aus: Es geht um Liebe, Identität und den Mut, im Namen des Auferstandenen dem Leiden Hoffnung zu entreissen.